ÄRZTE    SPEKTRUM    SPRECHZEITEN    KONTAKT    IMPRESSUM    DATENSCHUTZ    HOME   

 

 

 

 

 

Diagnostik

Zur Sicherung der Diagnose steht an erster Stelle neben der Erhebung der ausführlichen und detaillierten Krankengeschichte die präzise neurologische Untersuchung. Damit können relevante Nervenreizerscheinungen und nervale Ausfälle erkannt und meist schon die betroffene Höhe des Wirbelsäulensegmentes festgestellt werden. Man spricht dann von radikulären Störungen, wenn der Schmerz bzw. die Ausfallerscheinung gezielt der betroffenen Nervenwurzel zugeordnet werden kann. Die weitere differenzierte Diagnostik beinhaltet Röntgenaufnahmen, die Computertomographie (CT), Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT, andere Bezeichnung Kernspintomographie), bei manchen Indikationen die Myelographie (Kontrastmitteldarstellung des Duralsackes) und die Discographie (Kontrastmitteldarstellung der Bandscheiben) und elektrophysiologische Untersuchungen wie die Elektromyographie / Nervenleitgeschwindigkeit.



Wirbelsäuleninstabilität und Wirbelkanaleinengung (Spinalkanalstenose)
Die Wirbelsäulendegeneration beginnt bereits in der frühen Jugend und ist ein natürlicher Prozess. Aufgrund unserer alltäglichen Belastungen unterliegen die Wirbelsäulenstrukturen der Degeneration. Dies tritt schon in der Jugend ein und erfordert daher frühzeitig eine präventive Therapie. Der Degenerationsprozess umfasst den Flüssigkeitsverlust der Bandscheibe und die daraus resultierende Höhenabnahme der Bandscheibe. Dadurch nähern sich die Wirbel aneinander an, die Nervenaustrittskanäle werden enger und geringe Bewegungen im Bewegungssegment sind möglich. Ferner werden mit zunehmendem Alter die Bandstrukturen, die die Wirbel miteinander verbinden, weniger elastisch und bei einer unzureichend ausgebildeten Wirbelsäulenmuskulatur können dann alltägliche Bewegungsmuster einen Reiz und auch Druck auf die Nervenwurzeln ausüben. Außerdem kann dadurch eine Überlastung in den Wirbelgelenken auftreten mit der Folge von so genannten arthrogenen (gelenkbedingten) Schmerzen, nämlich den Facettenschmerzen kommen. Eine anhaltende Wirbelsäuleninstabilität, auch wenn diese nur sehr gering ist und sich im Millimeterbereich abspielt, führt über die Jahre hinweg reaktiv zu einem Umbauprozess in den Facettengelenken. Die Gelenke verdicken sich (Facettengelenksarthrose) und bewirken eine Einengung des Spinalkanals und der Nervenaustrittskanäle (Neuroforamina), die ihrerseits eine Nervenirritation bzw. Nervenkompression bewirken. Weiterhin tritt infolge der Höhenreduktion der Bandscheiben eine Stauchung in den hinten gelegenen Bändern (Ligamenta flava) der Wirbelsäule ein. Radiologischerseits wird hier häufig von einer Hypertrophie der Ligamenta flava gesprochen. Die Bänder werden jedoch vielmehr durch den Stauungsprozess verdickt und komprimieren dadurch den Duralschlauch.

In der Konsequenz tritt aufgrund dieser degenerativen Prozesse eine Einengung des Wirbelkanals ein – eine sogenannte Spinalkanalstenose. Da sich dieser Prozess über mehrere Jahre bis hin zu Jahrzehnten ausbildet, können sich die Patienten bis zu einem gewissen Grad gut daran adaptieren. Schleichend tritt eine zunehmende Einschränkung der Gehstrecke (Schaufensterkrankheit, Claudicatio spinalis oder neurogene Claudicatio) ein. Viele Patienten beschreiben belastungsabhängige Schmerzen in den Beinen, Missempfindungen in den Beinen, nächtliche Wadenkrämpfe und dass sie häufig nach wenigen Metern eine Entlastungshaltung in der Wirbelsäule einnehmen und sich vermehrt in der Lendenwirbelsäule nach vorne beugen müssen. Im Gegensatz zu anderen krankhaften Wirbelsäulenerkrankungen finden sich bei diesem Leiden oft keine neurologischen Ausfallserscheinungen. Vielen Patienten wird deshalb oft mitgeteilt, dass man eigentlich therapeutisch nicht mehr viel ausrichten könne und Operationen keinen positiven Nutzen hätten. Früher führte man eher sehr aufwendige und belastende Operationen mit eher fragwürdigen Ergebnissen durch. Im Einzelfall ist zu prüfen, inwieweit man mit einem kleinstmöglichen mikroneurochirurgischen operativen Eingriff eine optimale Entlastung des Spinalkanals erreichen kann. In den meisten Fällen ist die Wirbelkanaleinengung nur auf einige Zentimeter beschränkt. Durch moderne, unter dem Operationsmikroskop assistierte Operationen, kann eine ausreichende Entlastung des Wirbelkanaldurchmessers erreicht werden ohne eine Instabilität des Segmentes zu induzieren.




Mit modernen Implantaten (z.B. Coflex®) kann darüber hinaus eine dynamische Fusion erreicht werden ohne die Wirbelsäule versteifen zu müssen. Auch bei geringen Instabilitäten kann dadurch eine Teilstabilität erreicht werden und der Patient ist in seiner Wirbelsäulenbeweglichkeit nicht eingeschränkt.


Spondylolisthesis
Unter der Spondylolisthesis versteht man ein Wirbelgleiten, das fast immer auf der Grundlage einer Fusionsstörung (Vereinigung) der Wirbelbögen entsteht und sich während des Wachtumsalters ausbildet. Symptomatisch wird man meist erst im fortgeschritten Alter, wenn degenerative Instabilitäten zunehmen. In den Röntgenbildern und Computer- bzw. Kernspintomographien erkennt man neben dem Wirbelgleiten in mehr oder minder starker Ausdehnung eine Spaltbildung im Wirbelbogen. Dadurch können sich die Wirbel langsam gegeneinander verschieben und Nervenreizerscheinungen auslösen. Im Extremfall kann der obere Wirbelkörper vollständig über den darunter liegenden gleiten (Spondyloptose). Im Rahmen der Diagnostik sind Funktionsaufnahmen der betroffenen Segmente in Vor- und Rückneigung der Wirbelsäule notwenig, um das Ausmaß der Instabilität beurteilen zu können. Die Therapie orientiert sich streng an den Beschwerden, dem Ausmaß der Instabilität und den neurologischen Ausfällen. In leichten Fällen kann man operativ noch die Wirbel gegeneinander reponieren. In vielen Fällen gelingt nur noch eine Stabilisierung mit Einsetzen eines Fixateur interne und Ersatz der Bandscheibe durch ein Implantat.


Trauma und Wirbelsäulenfrakturen
Traumata sind Verletzungen und können sich auch oft an der Wirbelsäule ereignen. Als Ursachen stehen Stürze und Verkehrsunfälle an erster Stelle. Daneben ereignen sich Wirbelkörperfrakturen auch oft nach Bagatellverletzungen bei Patienten mit einer manifesten Osteoporose. Die Knochenbrüche (Frakturen) sind an allen anatomischen Strukturen der Wirbel möglich. Häufig sind Abbruchfrakturen der Quer- und Dornfortsätze. Diese heilen meist folgenlos aus, sind aber am Anfang meist sehr schmerzhaft. Schwerwiegender sind Frakturen der Wirbelkörper. Hier ist neben dem neurologischen Untersuchungsbefund die radiologische Diagnostik von immanenter Bedeutung. Im Rahmen der Computertomographie richtet sich das Interesse auf die Beurteilung der Wirbelkörperhinterkanten und der Wirbelbögen. Brüche, die isoliert auf den Wirbelkörper begrenzt sind, ohne das die Wirbelbögen und die Wirbelköperhinterkante begrenzt sind, gelten als stabile Frakturen und heilen in aller Regel unter einer konservativen Therapie und Ruhigstellung folgenlos aus. Bei diesen Frakturtypen kann im wiederum individuellen Einzelfall zur schnelleren Stabilisierung eine Vertebroplastie oder Kyphoplastie durchgeführt werden. Mit diesen Methoden wird minimal-invasiv über den Wirbelbogen ein „Knochenzement“ zur Stabilisierung bzw. Wirbelkörperaufrichtung in den Wirbelkörper eingebracht. Bei einer Verlagerung von Wirbelteilen („Knochensplittern“) in den Wirbelkanal mit neurologischen Ausfällen bis hin zu einer Querschnittlähmung und/oder Beteiligung der Wirbelbögen ist eine operative Stabilisierung der Wirbelsäule fast immer notwendig. Das Ausmaß der operativen Versorgung orientiert sich dann am Einzelfall und beinhaltet komplette Wirbelköperentfernungen, Implantation moderner Wirbelköperimplantate, Verschraubungen von vorne und hinten und vieles mehr.


Discitis und Spondyodiscitis
Die Discitis ist eine Entzündung der Bandscheibe durch Bakterien und kommt zum Beispiel als Folge einer Tuberkulose im fortgeschrittenen Stadium vor. Allerdings kann sich eine Discitis auch nach Injektionen (Spritzen) im wirbelsäulennahen Bereich und nach Operationen von Bandscheibenvorfällen und anderen Wirbelsäulenoperationen ausbilden. Es handelt sich dabei um einen sehr ernsten Zustand, der eine intensive Behandlung erfordert. Bei einem Fortschreiten der Infektion von der Bandscheibe auf die Wirbel spricht man dann von einer Spondylodiscitis. Die Infektion kann sich weiter bis hin aus das Rückenmark bzw. den Duralsack ausdehnen und eine Hirnhautentzündung (Meningitis) und bei weiterem Ausbreiten bis zum Gehirn eine Gehirnentzündung (Encephalitis) verursachen. In leichten Fällen ist eine Behandlung mit Antibiotika und einer Ruhigstellung der Wirbelsäule noch möglich. Ansonsten erfordert dieses Krankheitsbild ein komplexes operatives Vorgehen mit Entfernung der Bandscheibe, Infektsanierung und einer Stabilisierung der Wirbelsäule bis hin zur Entfernung der angrenzenden Wirbelkörper.